Globus Dei
26.43271600,-81.81165100

Estero, FLKoreshan State Historic Site

3800 Corkscrew Road, Estero, Florida, 33928, USA
Layer 1

Es hat eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe, warum Amerika das Land der Verschwörungstheorien und bizarren Christus-Kulte ist. Abenteurer, Schlangenölverkäufer, Freigeister, religiös verfolgte Gruppen und Furchtlose bzw. Verzweifelte machten sich auf den Weg ins gelobte Land über den Atlantik und gründeten eine moderne Zivilisation. Weitestgehend befreit von all den Regeln der Monarchen im alten Europas konnte man mit genügend Überlebenswillen glauben, an was man wollte – und das bis heute.

Amerika ist damit auch der Geburtsort der modernen Hohlwelttheorie1, die noch heute von einer besonderen Gruppe von Skeptikern (oder Erwachten, wie sie sich gerne sehen) kolportiert wird.

Die Idee ist, dass wir nicht auf der Erdkugel leben, sondern im Inneren. Selbst Adolf Hitler und seine Naziführungsriege – verblödet vom Machtrausch, fanden, die Hohlwelttheorie liegt im Bereich des Möglichen2 und sendeten eine Expedition zur Erforschung des dieses Fiebertraumes für Spionagezwecke. Ich denke, daher rührt auch noch die Faszination in Aluhutträgerkreisen für diese absurde Theorie. Das und UFOs.

Cyrus Reed Teed, geboren 1839 in New York, war ein Mediziner und Homöopath, der sich für Alchemie interessierte und Experimente mit hohen elektrischen Spannungen veranstaltete. Im Jahre 1869 verunglückte Reed, bekam einen Schlag und wurde Bewusstlos. In diesem Zustand erschien ihm Gott in Form einer wunderschönen jungen Frau die ihm wohl erklärte, dass wir statt auf, im hohlen inneren der Erde leben.

Teed änderte seinen Namen zu Koresh (hebräisch für Cyrus) und verfasste die Grundlagen für seine Bewegung The Koresheans, die um 1888 in Chicago entstand. Über die Jahre gab es mehrere kleine Gruppen in verschiedenen anderen Teilen der USA.

1894 machten sich Teed und seine Anhänger auf nach Florida um dort New Jerusalem aufzubauen. Das Land erstand er von einem deutschen Emigranten namens Gustave Damkohler, der von Thüringen aus, über Australien nach Amerika gekommen war. Dammkohler brachte Teeds Bewegung wohl einige Sympathien entgegen und überließ ihnen damit einiges an Land, welches in eine Parkanlage umgewandelt wurde, mit Werkstätten, Bäckerei, Lebensmittelgeschäft und Wohnstätten für die Mitglieder.

Die Koreshans brachten so einiges an Fortschritt in die Gegend. Mit den Druckerpressen und Maschinen, die sie tausende Meilen von Chicago in den südlichen Zipfel Floridas transportierten, waren sie bestens ausgestattet. Mit ihren Generatoren führte die Hohlweltgemeinde Elektrizität in die Region ein.

Die Hoch-Zeit der Koreshans war von 1903 bis 1908, in der über 250 Mitglieder in der Kolonie wohnten. Interessanterweise waren viele Frauen in seinem Gefolge, die auch die Geschicke der Gemeinschaft leiteten. Angezogen von Teeds Ansichten über Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und vielleicht auch seiner charismatischen Persönlichkeit, verließ so manche Ehefrau ihren Mann und folgte Koresh3.

1906 kam es zu einem Streit zwischen Koreshans und Einwohnern in Ft. Myers und Teed versuchte die Schlägerei aufzulösen, wurde dabei aber verletzt und eingesperrt.

Über die folgenden Monate verschlechterte sich sein Zustand und er starb zur Wintersonnenwende am 22. Dezember 1908. Da seine Lehre auch Wiedergeburt enthielt, glaubten seine Anhänger, er würde zu Weihnachten auferstehen und sie alle ins gelobte Land führen. Stattdessen fing er an zu stinken und die örtlichen Behörden verordneten seine Beisetzung. Einige seiner Anhänger warteten weitere 13 Tage, aber Cyrus Reed Teed blieb tot. Damit begann der langsame Verfall der Gruppe, die begannen an seine Lehren zu zweifeln.

Dammkohler verlor schon ein Jahr eher den Glauben und machte sich auf nach Alaska, um Gold zu finden.

Aufgrund der Zölibatsgelübte gab es für die Gruppe keinen Nachwuchs und die Mitglieder schmolzen drastisch.

1940 floh die Deutsche Hedwig Michel vor den Nazis und da sie in Deutschland von den Koreshans erfuhr und deren Bewegung wohl ganz attraktiv fand, schloß sie sich dem Rest der kleinen Gruppe an und wurde zur letzten Zeugin und Führerin des Kults.

Spätestens nach der Mondlandung kam dann auch dem verbleibenden Rest, einer handvoll alter Damen, der Zweifel ob der Glaube an eine Hohlwelt sich noch aufrecht erhalten lassen kann.

Anfang der 60er Jahre übergab Michels Teile des Koreshan Landes an Florida und wurde so als State Park erhalten. Michel starb im Alter von 90 Jahren, 1982 und wurde im Gelände beigesetzt.

Heute kann das Gelände der Koreshan Unity als State Park von jedem besucht und erkundet werden. Die einzelenen Stätten werden erhalten und dienen als Freiluftmuseum. Schriften, Fotos und jede Menge Unterlagen finden sich im Virtuellen Katalog der Koreshan Unity Website

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geschrieben von Marcus Obst 21.11.2017 | Tags: Park, Cult, USA