Globus Dei
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Beelitz, BrandenburgBaumkronenpfad Beelitz-Heilstätten

Beelitz Heilstätten, 14547 Beelitz, Germany
Layer 1

Not so "Lost Place" anymore

Die Beelitz Heilstätten waren über lange Zeit der Sehnsuchtsort eines jeden Urban Explorer, Filmemacher, Grufti, Graffitikünstler und Zerstörungswütigen Teenager. Heute ist es mehr und mehr eine Touristenattraktion und es gibt Bemühungen das eine oder andere Objekt zu sanieren1.

Aber von vorn.

"Die zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt Berlin errichteten Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten bilden einen der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland. Es ist ein denkmalgeschütztes Ensemble von 60 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von ca. 200 ha."2

Im Allgemeinen wird oft die Architektur und die technische Innovation des Sanatorium Komplex hervorgehoben.

Natürlich wurden die Heilstätten in beiden Weltkriegen als Militär-Lazarett genutzt und nach dem Krieg von den stationieren, russischen Militärs weiter betrieben.

In den Beelitz-Heilstätten wurde der Gefreite Adolf Hitler im Herbst 1916 wieder gesund gepflegt und auch ein gewisser Abd Allāh Nawfal al-Almānī, politischer Nahost Agent und Gefangener der Mahdisten wurde 1918 in der "Lungenheilstätte" behandelt3. Letzterer verstarb an seiner Lungenentzündung, Ersterer wurde wieder gesund und entzündete Europa.

Im Dezember 1990 wurde ein weiterer politisch-fragwürdiger Kranker, im von den Sowjets betriebenen Militärkrankenhaus untergebracht. Der mit Leberkrebs diagnostizierte Erich "Totgesagte leben länger" Honecker4 wird in Beelitz betreut bis er und Margot Honecker im März 1991 nach Moskau ausgeflogen wird (gegen ihn lag ein Haftbefehl wegen der Mauertoten vor).

Ab den Neuzigern kam es zu einer Serie von Todesfällen auf dem Gelände und damit meine ich keine medizinischen. Der berühmte, Rosa Riese genannte Serienmörder, Wolfgang Schmidt tötete eine Frau und ihr Baby, ein Fotograf tötete ein Model5 und ein Obdachloser sich selbst.

Üblicherweise waren so große Anlagen wie die Beelitz Heilstätten sofort dem Verfall ausgeliefert sobald der Letzte dort das Licht ausgemacht hat. Das passierte nach der Wende im gesamten Osten.

Teile der Heilstätten verfielen, wurden zerstört, mit teilweise sehr guten Grafittis ausgestattet und seit Neustem gibt es Ansätze Teile der Anlage touristisch zu nutzen.

So führt der Baumwipfelpfad um das sogenannte Alpenhaus herum und gestattet einen eindrucksvollen Blick auf das von Bäumen bewachsene Dach, die verfallenen Innenräume und das gesamte Gelände.

Man kann Fototouren durch die Innenäume der Gebäude buchen, aber ich glaube es gibt keinen Grund zum 100sten Mal das Piano oder die Lampen in der Chirugie zu fotografieren. Das Internet ist voll davon. Die Anlage ist nüchtern betrachtet die Steingewordnene Phantasie eines jeden Fetisch- und Gothic-Fotografen. Brrr

Die Architektur der Heilstätten taucht auch in dem einen oder anderen internationen Film auf. Im 2017 erschienen Horrorfilm A Cure for Wellness wird das Thema von bizarren Gesundheitskuren und medizinischen Experimenten in den frühen 1900 ausgibig exerziert. Der dänische Film Men & Chicken wurde auch in Beelitz gedreht und ich meine mich zu erinneren, dass ich die Kulisse – ein verfallenes Sanatorium – in der die verrückten Brüder wohnten, faszinierend fand.

Alles in allem eine beeindruckende Anlage deren Geschichte exemplarisch für viele andere Objekte aus den letzten 100 Jahren steht. Solide gebaut, zwei Kriege überstanden, von der NVA oder den Sowjets genutzt, nach der Wende verlassen und verwüstet und irgendwann entweder abgerissen oder in einen "Point of Interest" konvertiert.

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geschrieben von Marcus Obst 26.12.2017 | Tags: Lost Place, EU